in diesem buch kommt denk ich klar heraus was sich in palestina abspielt!...das zionismus ganz klar faschistische züge hat und menschenrechte an allen fronten verletzt!!

Aus dem Vorwort
Dieter Elken:
Zionismus, Faschismus und die Diskussion über alten und „neuen Antisemitismus“
Lenni Brenners materialreiche und gründlich recherchierte Studie über das Verhältnis des Zionismus zum Faschismus wird der deutschen Leserschaft Material an die Hand geben, das die hierzulande geführten Debatten zum Thema Antisemitismus beeinflussen wird.
So unvermeidlich es ist, daß aktuelle politische Debatten die Sicht auf die Vergangenheit prägen, so unerläßlich ist es, in aktuellen politischen Auseinandersetzungen die jeweiligen Positionen in ihren jeweiligen historischen Kontext einzuordnen, wenn Debatten nicht den Realitätsbezug verlieren sollen. Lenni Brenners Arbeit beleuchtet einen besonders in der deutschen Diskussion von vielen Autoren tabuisierten Bereich der Geschichte. Die Ergebnisse seiner Forschungsarbeit werden ihren Lesern deutlich machen, daß die aktuelle Debatte in einer Grundfrage zurechtgerückt werden muß: der falschen Annahme, daß die zionistische Bewegung bis 1945 einen ernsthaften Beitrag zum Kampf gegen den Antisemitismus und Faschismus geleistet hat und daß die israelische Politik diesen Kampf fortsetzt. Dieses Buch hält sich an Tatsachen und wird in der aktuellen Debatte gerade deshalb zur Zerstörung vielgepflegter, ahistorischer Mythen beitragen.
Worum geht es in dieser Debatte?
Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts hatte es im Zuge des aufkommenden europäischen Nationalismus auch Initiativen zur Neugründung eines jüdischen Staates in Palästina gegeben. Erste Kolonialsiedlungsprojekte wurden schon 1848 vorbereitet, erlangten jedoch noch keine große Bedeutung. [1]
Erst als sich in Europa im späteren 19. Jahrhundert ein damals neuartiger, teils völkisch und teils rassistisch begründeter Judenhaß ausbreitete, sollte sich das ändern. Die Pogrome des Jahres 1882 im zaristischen Rußland und die Dreyfus-Affäre in Frankreich wurden zu Symbolen dieses Antisemitismus. Seine soziale Basis war zunächst das alte Kleinbürgertum, das durch die aufkommende kapitalistische Industrie ruiniert wurde und seine Existenzängste in Aggression gegen die jüdische Händlerkonkurrenz richtete. Als Reaktion auf den damals zunehmenden Antisemitismus entstand unter anderem eine eigene jüdisch-nationale Bewegung, der Zionismus. [2] Im Anschluß an Leo Pinsker, der in seiner Schrift „Autoemanzipation“ 1882 ausgehend von einer biologistischen und rassistischen Sicht des Judentums als erster die „Rückkehr“ der Juden nach Palästina als Lösung ihrer nationalen Probleme propagierte, und vor allem an Theodor Herzl und sein Buch „Der Judenstaat“, suchte die zionistische Bewegung die Lösung ihrer Probleme in der Schaffung eines eigenen Staates.
„Der Zionismus ist also eine sehr junge Bewegung, die jüngste der europäischen nationalen Bewegungen. Das hindert ihn aber keineswegs – und zwar weniger als alle anderen Nationalismen – an der Behauptung, daß er seine Substanz aus sehr ferner Vergangenheit ziehe. Während der Zionismus in Wirklichkeit ein Produkt der letzten Phase des bereits morschen Kapitalismus ist, beansprucht er jedoch, seinen Ursprung in einer mehr als zweitausendjährigen Vergangenheit zu haben. Während er realiter eine Reaktion gegen die für Juden so verhängnisvolle Verknüpfung feudalistischer und kapitalistischer Auflösungstendenzen ist, versteht er sich als Reaktion auf die jüdische Geschichte seit der Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 der christlichen Zeitrechnung. Seine junge Existenz ist natürlich der beste Beweis für die Unrichtigkeit dieser Behauptung. [...] Wie alle Nationalismen jedoch – und noch weit stärker – betrachtet der Zionismus seine Vergangenheit im Lichte der Gegenwart. Auf diese Weise verzerrt sich das Bild der Gegenwart. [...] so versucht der Zionismus den Mythos des ewigen Judentums zu schaffen, das ständig mit denselben Verfolgungen habe kämpfen müssen.“ [3] „All diese idealistischen Konzeptionen sind natürlich untrennbar mit dem Dogma des ewigen Antisemitismus verbunden. ‚Solange die Juden in der Diaspora leben, werden sie von den einheimischen Bewohnern gehaßt werden.’ Dieser Grundgedanke des Zionismus, sein Gerippe sozusagen, wird natürlich durch diverse Strömungen nuanciert. Der Zionismus überträgt den modernen Antisemitismus auf alle Zeiten.“ [4]
Das trifft auch heute noch zu. [5]
Das Verhältnis des Zionismus zu anderen, feindlichen Nationalismen und zum Antisemitismus ist bei alldem nicht so eindeutig, wie unbefangene Gemüter glauben könnten. Die zionistische Bewegung muß sich einerseits gegen den Antisemitismus wenden, ist aber zugleich auf dessen Existenz als Bedingung für die eigene Existenz angewiesen und benötigt sein reaktionäres Wirken, damit der Zustrom von jüdischen Immigranten nach Israel nicht versiegt. Nathan Weinstock stellte in seinem Buch „Der Zionismus gegen Israel“ fest: „Das kausale Band zwischen rassistischen Verfolgungen und dem Fortschritt des zionistischen Nationalismus ist augenscheinlich. Jede Etappe der jüdischen Kolonisation nach Palästina entspricht der Intensivierung des Antisemitismus.
Schließlich sind die Emigrationswellen, die 1882 und 1904 begannen, direkte Produkte von Pogromen.“ [6] Tatsächlich haben führende Repräsentanten des Zionismus dessen gefährlichsten Feind nicht im Antisemitismus erblickt, sondern in der Assimilation von Juden in ihre Völker. So formulierte es Nahum Goldmann, der ehemalige Präsident des Jüdischen Weltkongresses und der Zionistischen Weltorganisation: „Die Gefahr der Assimilation der jüdischen Gemeinschaft unter den Völkern, in deren Mitte sie leben, ist sehr viel ernster als die äußere Bedrohung durch den Antisemitismus.“ [7]
Zionismus und Antisemitismus: Eine feindliche Symbiose
Das Verhältnis von Zionismus und Antisemitismus ist nicht nur das einer Art feindlichen Symbiose.
Der Zionismus hat als ideologisches Produkt des Nationalismus des 19. Jahrhunderts eine Vielzahl von ideologischen Versatzstücken der seinerzeit herrschenden Ideologien übernommen. Diese ideologischen Anleihen gelten jeweils nicht unbedingt für die gesamte zionistische Bewegung, die von Anfang an ein breites ideologisches Spektrum in sich barg. Dennoch trug die zionistische Bewegung von Anfang an zahlreiche reaktionäre Züge.
Joachim Prinz, damals einflußreicher Rabbi in Berlin, selbst Zionist und nach dem Krieg Führungsmitglied des American Jewish Congress, schwärmte 1934 in Blut- und Bodenromantik: „Den Nichtjuden band die Bauernschaft immer wieder an den Boden und an das Dorf. Den Juden aber trieb das Schicksal nur in die Städte. Der Jude als Großstadt-Typus ist keine Folge seines eigenen inneren Dranges. Er ist eine Folge seiner nicht vollendeten Emanzipation [...] In den Großstädten verloren wir vollends das wirkliche Leben, das die Gefahr kennt und das ein Abenteuer ist [...] Asphalt aber schafft nichts Echtes.“ [8] Und: „Der Grad unserer Entartung kann nur deutlich werden, wenn der Blick zurück uns die Gestalten enthüllt, an denen man uns messen muß, um den Grad der Zerrüttung, aber auch den Weg in die Zukunft zu sehen.“ [9]
Prinz verachtete Assimilationisten wie Heinrich Heine, Karl Marx oder Kurt Tucholsky. Er hielt den Antisemitismus für eine Art natürlicher Erscheinung und daher für unabänderlich. Folgerichtig erklärte er mit hohlem Pathos: „Weil wir ein Volk sind – wächst überall der Haß gegen uns, überall wo wir –verstreut unter andere Völker – leben. Weil wir ein Volk sind, ein Volk eigenen Blutes, eigener Art, hat man uns besondere Stellungen im Leben der anderen Völker angewiesen. [...] Erst wenn man das be-griffen hat, erst wenn man in sich den Jubel dieser Botschaft so verspürt wie es damals die erste Generation der ersten Kämpfer für das jüdische Volkstum empfunden hat, wird der eigene Stolz wieder lebendig, die Rücken werden wieder gerade, die Mimikrysucht schwindet, ‚das Kriechen und Bücken’ wird uns widerwärtig – und ein neuer Jude entsteht, mit neuer jüdischer Kraft und mit neuem, erfülltem jüdischen Bekenntnis.“ [10]
Diese Grundhaltung kommt nicht zuletzt auch in den „stereotypen“ Bildern zum Ausdruck, in denen zionistische Autoren die Suche nach einer neuen jüdischen Identität beschrieben. Amnon Rubinstein, im Kabinett Rabin während der neunziger Jahre israelischer Minister, schreibt: „[...] am Anfang wimmelte es in der zionistischen Literatur von solchen Bildern: Der alte Jude im Vergleich mit dem neugeborenen Hebräer; der Jude in der Diaspora gegenüber dem in Israel geborenen Sabra; der Jid von früher gegenüber dem wieder zum Leben erweckten Makkabäer, der untergeordnete Jude gegenüber dem Superjuden.“ Er resümiert: „Der Zionismus wurde, besonders in Osteuropa, auf dieser vollkommenen Ablehnung der jüdischen Existenz in der Galut [11] gegründet [...] Der Zionismus gibt sich nicht damit zufrieden, daß die Juden ihre verlorengegangene Souveränität wiedererlangen und in ihr niemals vergessenes Heimatland zurückkehren; er will auch die Hebamme sein, die den Juden hilft, einen neuen Menschen zu gebären.
Diese Revolution ist – ebensosehr wie das politische Verlangen nach Unabhängigkeit – das Fundament der zionistischen Philosophie.“[12] Umgekehrt implizierte diese Haltung natürlich auch ein gewisses Verständnis des Zionismus für den Antisemitismus. Herzl glaubte erkennen zu können, was „im Antisemitismus roher Scherz, gemeiner Brotneid, angeerbtes Vorurteil, religiöse Unduldsamkeit – aber auch, was darin vermeintliche Notwehr ist“ [13] (Anmerkung: gemeint ist die „Notwehr“ der Völker gegen die Juden!). Herzl sprach daher folgerichtig auch von „anständigen Antisemiten“. [14]
Die Idee von der Schaffung eines neuen und starken Juden, geschaffen im Wege einer Art nationaler Wiedergeburt, wurde durch eine der damals verbreiteten kolonialistisch-rassistischen Weltanschauung entlehnte rassistische Überlegenheitsideologie komplettiert. So äußerte sich der Historiker Joseph Klausner: „Unsere Hoffnung, eines Tages Herr in unserem eigenen Haus zu sein, stützt sich nicht auf unsere Fäuste oder unsere Schwerter, sondern auf unsere Überlegenheit über Araber und Türken.“ [15] Und die Haltung Jabotinskys, des Führers der zionistischen Rechten, war ebenso unzweideutig. Er erklärte, der Zionismus wende sich nach Osten, führe aber die Kultur des Westens mit sich: „Wir Juden haben nichts gemein mit dem, was man ‘den Osten’ nennt und dafür danken wir Gott.“ [16]
Jabotinsky machte sich dabei über das Verhältnis zu den Arabern die wenigsten Illusionen. Anders als Herzl fabulierte er nicht, Palästina sei ein Land ohne Menschen, sondern formulierte 1923 in seinem Artikel „Die eiserne Wand. Wir und die Araber“ ganz offen das Ziel der zionistischen Politik: „Die zionistische Kolonisation, sei sie auch noch so eingeschränkt, muß entweder eingestellt oder unter Mißachtung des Willens der einheimischen Bevölkerung fortgeführt werden. Diese Kolonisierung kann daher nur unter dem Schutz einer von der einheimischen Bevölkerung unabhängigen Kraft fortgesetzt und entwickelt werden – einer eisernen Wand, die von der einheimischen Bevölkerung nicht durchbrochen werden kann. Das ist, kurzgefaßt, unsere Politik gegenüber den Arabern. Sie anders auszudrücken, wäre nichts als Heuchelei.“ [17]
1 Mathias Mieses, Der Ursprung des Judenhasses, Berlin/Wien 1923, S.576
2 Ebenda, S. 570 ff
3 Abraham Léon, Judenfrage & Kapitalismus, 2. Auflage, München 1973, S. 103 f
4 Ebenda, S.105
5 Siehe z.B. „Warum Hass und Diffamierung, Verachtung und Lüge? Warum gegen Juden?“ in:
http://www.hagalil.com/judentum/editorial/antisemitismus.htm6 Nathan Weinstock, Le sionisme contre Israél, Paris 1969, S.55
7 Le Monde, 13.01.1966, zitiert nach Nathan Weinstock, Le sionisme contre Israél, Paris 1969, S.38
8 Joachim Prinz, Wir Juden, Berlin 1934, S.38 f
9 Derselbe, a.a.O., S. 75
10 Derselbe, a.a.O., S. 136
11 Worterklärung: Galut bedeutet Exil. Rubinstein verwendet hier einen ideologisch befrachteten Begriff. Bereits zu Beginn der christlichen Zeitrechnung war die Mehrheit der Juden freiwillig aus Palästina emigriert.
12 Amnon Rubinstein, Geschichte des Zionismus, München 2001, S.25
13 Theodor Herzl, Der Judenstaat, Zürich 1997, S.16.
14 Vgl. Rubinstein, a.a.O., S.46
15 Joseph Klausner, Hashilo`ah, Bd. 17, Odessa 1907, S.574 – zitiert nach Rubinstein, a.a.O., S.83
16 Zitiert nach Rubinstein, a.a.O. S. 84
17 Ze’ev Jabotinsky, The Iron Wall. We and the Arabs“,
http://www.saveisrael.com/jabo/jabowall.htm